Argumentationshilfe von Werkschlag

Seit 1960 verzehnfachten sich die Preise für Fahrkarten, während Benzin nur gut dreimal so teuer ist wie vor 40 Jahren.

Mobilität ist nicht nur durch die Trennung der Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten und Einkaufen notwendig geworden. Arbeitsplätze und Einkaufs-zentren wurden am Stadtrand errichtet, Innenstädte veröden und die Wohnungen sind weit entfernt.

Eine zukunftstaugliche Verkehrspolitik braucht alle Nutzer und darf langfristig den Personenkreis für den die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr fast unerschwinglich sind, nicht ausgrenzen. Daher reichen die neuen Schülerkarten nicht aus, ein Joblessticket muss her.

In dem offenen Brief an den Bochumer Stadtrat haben wir die Kriterien schon genannt:

Entscheidend soll das Einkommen und nicht der formale Status der Betroffenen sein. Dadurch wird ein Auseinanderdividieren verschiedener Personengruppen wie Erwerbslose, Sozialhilfeempfängerlnnen, Schülerlnnen und Studierende, kinderreiche Familien, Rentnerlnnen, geringverdienende Arbeitnehmerlnnen etc., verhindert.

Eine unbürokratische Lösung hierfür stellen die Härterichtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung zur Befreiung von Rezept-Zuzahlungen dar. Mit der Bestätigung der Befreiung von der Zuzahlung, die zurzeit bei 1792,-DM brutto bei Alleinstehenden liegt, kann man sich sein Joblessticket ausstellen lassen.

Erwerbslose sind auf öffentliche Busse und Bahnen angewiesen, da Mobilität eine Grundvoraussetzung ist, um schnell wieder ein Arbeitsverhältnis aufnehmen zu können.

Jetzt müssen Erwerbslose weit mehr für ihr Monatsticket zahlen als die Angestellten, die ihnen auf Ämtern und Behörden gegenüber sitzen, denn sie können mit dem günstigen Jobticket fahren.

An Erwerbslose und Sozialhilfeempfängerlnnen wird dabei nicht gedacht, obwohl diese sozialen Ungerechtigkeiten bekannt sind.

Wir brauchen ein Jobless-Ticket.

Die bloße Ablehnung dieser Forderung in der Podiumsdiskussion zur letzten Kommunalwahl, mit dem Verweis auf den Verkehrsverbund, können wir nicht gelten lassen. Andere Verkehrsverbünde (wie Berlin - Brandenburg) machen uns vor, dass es geht.

Die Nahverkehrsunternehmen, die Bundesbahn, die Städte wären finanziell mit der freien Fahrt für Arbeitslose keineswegs überfordert. Für diese Maßnahme müsste keine Mark mehr ausgegeben werden.

Ohnehin ist der öffentliche Nahverkehr billiger als die Bereitstellung von Straßen und Parkraum für den motorisierten Individualverkehr.